Großer Bruder.

Da hat sich unser großer Bruder aber wieder etwas tolles einfallen lassen. Er hat uns so lieb, dass er nun noch besser auf uns aufpassen möchte.
Eigentlich ja ganz freundlich, soll man meinen. Wäre da nicht dieses ungute Gefühl dabei. Der große Bruder begleitet uns nun überall hin. Aber zu Hause – in meinem Privatbereich – da fühle ich mich wohl. Hier kann ich mich ungestört zurückziehen. Aber mein Bruder will mit und ich kann nichts gegen ihn tun.
Ich glaube er verfolgt mich. Er denkt, er dürfe immer bei mir sein; egal was ich mache und wo ich bin.
Oder leide ich nur unter Paranoia?
Aber ist das wirklich alles so freundlich? Was hier so übertrieben klingt, ist vielleicht bald schon Wirklichkeit. Innenminister Schäuble möchte selbst Wohnungen von verdächtigen Terroristen mit Kameras und Wanzen überwachen lassen.
In Verbindung mit der Vorratsdatenspeicherung ergibt das eine Überwachung, die uns alle betreffen kann. Hat man in irgendeiner Weise mit einem bekannten oder potentiellen Terroristen kommuniziert – sei es auch so unbewusst; man muss ja nicht wissen, dass derjenige einer ist – ist man selbst eventuell auch verdächtig. Und flugs hat man einen nervigen großen Bruder bekommen.
Obwohl? Ist nervig das richtige Wort? Er meldet sich ja nichtmals…

